Der Rote Apollo gehört zu den seltensten Schmetterlingen Baden-Württembergs. Im Oberen Donautal zeigt sich, was möglich ist, wenn genaue Artenkenntnis, praktische Landschaftspflege und eine verlässliche Finanzierung über viele Jahre zusammenwirken.

Seit vielen Jahren betreut der Biologe und freiberufliche Ökologe Stefan Hafner die Apollofalter im Oberen Donautal. Als ausgewiesener Schmetterlingsexperte beobachtet er die Bestandsentwicklung und beurteilt, welche Schutzmaßnahmen in den Lebensräumen notwendig sind.
Seine langjährige Gebietskenntnis und Expertise ist die Grundlage für die erfolgreiche Erhaltung dieser hochbedrohten Art. Er legt fest, wo Gehölze entfernt werden müssen, welche Flächen Vorrang haben und kann beurteilen, zu welchem Zeitpunkt eine Maßnahme den größten Nutzen bringt.
Die Raupen des Roten Apollos sind auf ihre Nahrungspflanze, die Weiße Fetthenne, angewiesen, die nur auf offenen, warmen Fels- und Schutthalden vorkommt. Wachsen diese Bereiche mit Gehölzen zu, verschwinden die für ihre Entwicklung nötigen Bedingungen.
Die Falter nutzen dagegen auch blütenreiche Wiesen im Tal und auf den Hochflächen als Nahrungsräume. Für den Schutz der Art müssen deshalb sowohl die Raupenhabitate an den offenen Halden als auch ausreichend blütenreiche Bereiche für die Falter erhalten und miteinander verbunden werden.
Die fachliche Grundlage kommt aus dem Naturschutzbüro: Stefan Hafner entwickelt auf Grundlage seiner Arten- und Gebietskenntnis das Pflegekonzept. Die Verwaltung – Regierungspräsidium, Untere Forstbehörde und Landschaftserhaltungsverband – schafft die Voraussetzungen für seine Umsetzung. Landwirte und Landschaftspflegebetriebe führen die Arbeiten im Gelände aus. Erst das Zusammenspiel dieser drei Bereiche macht wirksamen Artenschutz möglich.
Das Pflegekonzept wird im Naturschutzreferat 56 des Regierungspräsidiums Freiburg abgestimmt. Zuständig sind dort Anika Steinle als Betreuerin des Artenschutzprogramms Schmetterlinge und Ruben Clemens als Kreis-Gebietsbearbeiter für das Naturschutzgebiet. Gemeinsam begleiten sie die Maßnahmen auf Seiten der Naturschutzverwaltung und sorgen dafür, dass die erforderlichen Mittel bereitstehen, Aufträge vergeben und die Arbeiten rechtlich und organisatorisch abgesichert werden.
Hinzu kommt die Untere Forstbehörde beim Landratsamt. Der damalige Revierleiter Dominik Stehmer hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Freistellung am Laibfels umgesetzt werden konnte. Inzwischen wird das Revier von Johannes Maier betreut, der die weitere Zusammenarbeit fortführt.
Beteiligt ist außerdem der Landschaftserhaltungsverband Tuttlingen mit Fabian Sauter und Thomas Stehle. Sie betreuen die LPR-A-Verträge für die Talwiesen und sorgen dafür, dass die von Stefan Hafner formulierten, auf den Apollofalter abgestimmten Inhalte und Auflagen verbindlich in den Verträgen festgehalten werden.
Ebenso wichtig sind die langjährigen Kontakte zu den Landwirten und Landschaftspflegebetrieben, die die Arbeiten im Gelände ausführen. Stefan Hafner kennt viele dieser Partner seit Jahren. Gemeinsam wird besprochen, was auf den steilen Fels- und Schutthalden fachlich erforderlich und praktisch machbar ist.
Der Apollofalter zeigt, dass Artenschutz funktioniert, wenn freiberufliche Expert:innen, eine handlungsfähige Verwaltung und die praktische Landschaftspflege dauerhaft und gut zusammenarbeiten können.
Vor der Freistellung waren Teile der früher offenen Schutthalden stark mit Gehölzen bewachsen. Dadurch verschwanden die warmen und offenen Bereiche, auf die der Apollofalter und viele spezialisierte Pflanzenarten angewiesen sind.
Das entscheidende Werkzeug
Hinter dem sperrigen Begriff stehen Maßnahmen, die eine vergleichsweise kurzfristige und flexible Landschaftspflege ermöglichen.
Beim Apollofalter kann der Pflegebedarf nicht fünf Jahre im Voraus festgelegt werden. Er hängt davon ab, wie sich Vegetation, Flächen und Populationen entwickeln. Manchmal genügt eine Nachpflege, manchmal muss innerhalb einer Vegetationsperiode zweimal gehandelt werden.
LPR-B-Maßnahmen ermöglichen, dass die fachlichen Erkenntnisse der betreuenden Ökologen zeitnah in konkrete Arbeiten umgesetzt werden. Diese Flexibilität ist Voraussetzung für wirksamen Artenschutz.
Der Erfolg ist messbar
37 Apollofalter
wurden 2026 bei einer Erfassung an einem Tag dokumentiert. Wenige Tage später wurden nochmals 35 Tiere gezählt.
Zwischen 2022 und 2025 lagen die Tageshöchstwerte noch bei zehn bis zwölf Tieren. Da bei den Begehungen nie alle Falter erfasst werden können, ist von einer deutlich größeren Gesamtpopulation auszugehen.
Bereits im folgenden Jahr treiben auf der freigestellten Fläche wieder Gehölze aus. Anfangs kann deshalb sogar zweimal innerhalb einer Vegetationsperiode eine Nachpflege nötig sein.
Wird mit der Nachpflege für nur ein bis zwei Jahre ausgesetzt, werden die Arbeiten auf der steilen Halde rasch deutlich aufwendiger und teurer; fällt sie ganz aus, verliert die Fläche innerhalb weniger Jahre ihre Habitat-Eignung und alle bisherigen Investitionen waren umsonst.
Mit seiner Fachexpertise ist Stefan Hafner auch für die Kontrolle der Effizienz und Wirksamkeit der Pflegemaßnahmen verantwortlich. Ohne diese Kontrolle und kontinuierliche Anpassung der Maßnahmen wird es keine langfristigen Erfolge im Artenschutz geben.
Die notwendigen, das Landschaftsbild verändernden Eingriffe bleiben der das Gebiet zu Erholungszwecken nutzenden Bevölkerung natürlich nicht verborgen und führen mitunter zu Irritationen. Dies macht eine intensive maßnahmenbegleitende Öffentlichkeitsarbeit erforderlich. Pressearbeit sowie Info-Veranstaltungen und Exkursionen vor Ort sind Gegenstand dieser Arbeit und werden vom Artenschutz-Experten, dem Naturschutzreferat des Regierungspräsidiums und dem Naturschutzzentrum Obere Donau in enger Zusammenarbeit durchgeführt.


Als 2026 die Mittel für LPR-B-Maßnahmen kurzfristig gekürzt wurden, musste auch die fachliche Betreuung und die notwendige Nachpflege im Apollogebiet gestoppt werden.
Erst die später wieder bereitgestellten Mittel ermöglichen es, die dringendsten Arbeiten noch zu sichern. Weitere Erstpflegemaßnahmen und die notwendige Vernetzung zusätzlicher Lebensräume bleiben unter den knappen finanziellen Bedingungen jedoch kaum möglich.
Der Erfolg darf deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, wie verletzlich das System geworden ist. Ohne eine kontinuierliche fachliche Betreuung und ausreichend finanzierte LPR-B-Maßnahmen können mühsam erreichte Fortschritte schnell wieder verloren gehen.
Früher war der Rote Apollo auf der Schwäbischen Alb an zahlreichen Stellen verbreitet. Heute sind nur noch wenige Vorkommen erhalten. Das Obere Donautal trägt deshalb eine besondere Verantwortung für diese Art.