Stimmen aus der Praxis
„Es wird einfach zur Tagesordnung übergegangen.“
Eine persönliche Rückmeldung aus einem ökologischen Fachbüro
Die Folgen der Kürzungen im Arten- und Biotopschutz lassen sich nicht allein in Haushaltszahlen messen. Sie treffen auch diejenigen, die seit vielen Jahren Arten betreuen, Maßnahmen planen, ihre Umsetzung begleiten und dafür sorgen, dass Naturschutz vor Ort überhaupt funktioniert.
Die folgende persönliche Rückmeldung erreichte uns aus einem ökologischen Fachbüro in Baden-Württemberg. Wir veröffentlichen sie mit Zustimmung der betreffenden Person anonymisiert und in wenigen Punkten redaktionell gekürzt. Der persönliche Ton wurde bewusst erhalten.
Mich trifft persönlich, wie mit uns Dienstleistern in dieser Situation umgegangen wurde.
In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder versucht, Lösungen möglich zu machen. Wir waren flexibel, haben Termine spät am Abend wahrgenommen, früh morgens Maßnahmen kontrolliert und vieles aufgefangen, was kurzfristig organisiert werden musste. Natürlich werden wir für unsere Arbeit bezahlt. Aber sehr viel zusätzliches Engagement wurde über Jahre ganz selbstverständlich mitgenommen.
Umso enttäuschender ist es, wenn man in einer Krise erleben muss, dass von der zuständigen Verwaltung kaum Verantwortung für diejenigen übernommen wird, die diese Arbeit seit Jahren mittragen. Dieser Vertrauensverlust sitzt tief.
Vieles von dem, was im Naturschutz als Erfolg dargestellt wird, basiert auf der Arbeit von Fachbüros wie uns – ohne dass wir damit in den Vordergrund treten wollen.
Jetzt sind wir alle wieder am Organisieren, Planen und Umsetzen, damit möglichst viel von dem gerettet werden kann, was durch die Kürzungen ins Wanken geraten ist. Gleichzeitig fehlen uns rund zwei Monate Planungs- und Umsetzungszeit.
Landwirte warten auf Entscheidungen, von der Verwaltung werden Planungen und Aussagen zur Umsetzung erwartet, und parallel müssen wir die Aufträge bewältigen, die wir während der Unsicherheit zusätzlich angenommen haben.
Es wird einfach zur Tagesordnung übergegangen und erwartet, dass nun alles wieder weiterläuft wie zuvor. Genau damit komme ich nicht mehr mit.
Was nach den Kürzungen bleibt
Diese Rückmeldung beschreibt einen Aspekt der Krise, der in der öffentlichen Diskussion leicht verschwindet: Nicht nur Maßnahmen und Verträge wurden infrage gestellt. Beschädigt wurde auch das Vertrauen zwischen den Menschen und Institutionen, die den praktischen Naturschutz gemeinsam tragen.
Die kurzfristig wieder bereitgestellten Mittel können verlorene Planungszeit nicht zurückholen. Sie lösen auch nicht automatisch die Folgen für Fachbüros, Beschäftigte, Landwirte und andere Beteiligte, die während der monatelangen Unsicherheit reagieren und andere Entscheidungen treffen mussten.
Wer verlässlichen Arten- und Biotopschutz will, braucht deshalb nicht nur ausreichende Mittel, sondern auch verlässliche Strukturen und einen verantwortungsvollen Umgang mit den Menschen, auf deren Fachwissen und Engagement dieses System angewiesen ist.